Das Zimmermann-Telegramm


Am 9. Januar 1917 nahm Zimmermann an einem Treffen auf Schloss Pless teil. Die deutsche Militärführung überzeugte den Kaiser, ab dem 1. Februar mit dem uneingeschränkten U-Boot-Krieg beginnen zu dürfen. Am Ende des Treffens unterzeichnete der Kaiser den Befehl. Dieser uneingeschränkte U-Boot-Krieg und damit die unvermeidliche Versenkung ziviler amerikanischer Schiffe, würde Amerika fast sicher zu einer Kriegserklärung provozieren. Daraufhin entwickelte Zimmermann einen Rückversicherungsplan. Er wollte Mexiko ein Bündnis vorschlagen und den mexikanischen Präsidenten dazu bewegen, die Vereinigten Staaten anzugreifen und Gebiete wie Texas, Neumexiko und Arizona zurückzuerobern. Außerdem wollte er den mexikanischen Präsidenten dazu bewegen, Japan zu veranlassen, seinerseits die USA anzugreifen. Zimmermanns Absicht war, den Amerikanern so viele Probleme zu verschaffen, dass sie sich eine Entsendung ihrer Truppen nach Europa nicht leisten könnten. Deutschland würde die Schlacht zur See und den Krieg in Europa gewinnen und sich dann aus Amerika zurückziehen.

Am 16. Januar versandte Zimmermann seinen Vorschlag in einem Telegramm an den deutschen Botschafter in Washington, der es an den deutschen Gesandten in Mexiko übersandte. Die Botschaft des verschlüsselten Telegramms lautete:

"Wir beabsichtigen, am ersten Februar uneingeschränkten U-Boot-Krieg zu beginnen. Es wird versucht werden, Vereinigte Staaten trotzdem neutral zu halten. Für den Fall, dass dies nicht gelingen sollte, schlagen wir Mexiko auf folgender Grundlage Bündnis vor. Gemeinsam Krieg führen. Gemeinsam Friedensschluss. Reichlich finanzielle Unterstützung und Einverständis unsererseits, dass Mexiko in Texas, New Mexico, Arizona früher verlorenes Gebiet zurückerobert. Regelung im einzelnen Euer Hoheit überlassen. Sie wollen Vorstehendes dem Präsidenten streng geheim eröffnen, sobald Kriegsausbruch mit Vereinigten Staaten feststeht, und Anregung hinzufügen, Japan von sich aus zu sofortigem Beitritt einzuladen und gleichzeitig zwischen uns und Japan zu vermitteln. Bitte den Präsidenten darauf hinweisen, dass rücksichtslose Anwendung unserer U-Boote jetzt Aussicht bietet, England in wenigen Monaten zum Frieden zu zwingen. Empfang bestätigen.

Zimmermann"

Zimmermann musste sein Telegramm verschlüsseln, weil bekannt war, dass die Alliierten den gesamten transatlantischen Nachrichtenverkehr der Deutschen abhören konnten. Dafür sorgten die Briten mit ihrer ersten Angriffsaktion im Krieg. Am ersten Tag des Ersten Weltkrieges kappten sie die transatlantischen Kabel, die Deutschland mit Amerika verband und zerstörten die damit sicherste Nachrichtenverbindung. Deutschland war nun gezwungen, auf den unsicheren Funkverkehr oder die Kabel anderer Länder zurückzugreifen. Der Text des Zimmermann-Telegramms fiel in die Hände der Briten, die das abgefangene Telegramm sofort ihrem Dechiffrierdienst, benannt nach "Room 40", übergaben.

Die Entschlüsselung des Telegramms

Das an den Dechiffrierdienst übergebene Zimmermann-Telegramm war nichts weiter als ein Blatt mit Zahlen, angeordnet in Dreier-, Vierer- und Fünfergruppen.

Zimmermann-Telegramm

Die zweite Zahlengruppe lautete 13042. Sie war den Mitarbeitern von “Room 40” unbekannt, jedoch besaßen sie den Code 13040 und ein dazugehöriges Codebuch. Es listete verwendete Varianten dieses Codes auf, gewonnen durch mühevolles Studieren mehrerer chiffrierter Texte. An der vorletzten Stelle des Telegramms war die Zahlengruppe 97556 zu lesen, die auf einen Namen deutete (gilt hauptsächlich für hohe Nummern). Die Zahl war also offensichtlich eine Unterschrift. Tatsächlich war es die Unterschrift Zimmermanns.

Weitere Entschlüsselungen waren:

Reihte man diese einzelnen Wörter aneinander, kamen die ersten Satzfragmente zum Vorschein.
Für die Entschlüsselung waren der Geistliche William Montgomery, ein begabter Übersetzer deutscher theologischer Werke und sein Kollege Nigel de Grey, ein Verleger, zuständig.

Die Folgen des Telegramms

Die verheerenden Folgen des uneingeschränkten U-Boot-Krieges waren Montgomery und de Grey klar. Doch sie sahen auch, dass der Angriff auf die Vereinigten Staaten, Präsident Wilson sicher veranlassen würde, die neutrale Haltung aufzugeben. Das Telegramm barg die Möglichkeit, dass Amerika sich den Alliierten anschließen würde. Montgomery und de Grey überbrachten das teilentschlüsselte Telegramm Admiral Sir William Hall, dem Chef der Marineaufklärung, damit er die Informationen an die Amerikaner weitergibt. Er wies jedoch die Kryptanalytiker an, die noch vorhandenen Lücken zu füllen, denn seine Befürchtungen waren, dass die Deutschen durch die Übergabe des Telegramms an die Amerikaner erfahren würden, dass ihre Verschlüsselung geknackt worden war. Die Folge wäre die Entwicklung eines stärkeren deutschen Chiffriersystems und damit die Trockenlegung einer wichtigen Informationsquelle für die Aufklärung.

Am 1. Februar begann die deutsche Marine auf Befehl des Kaisers den uneingeschränkten U-Boot-Krieg. Am 3. Februar erklärte Woodrow Wilson vor dem Kongress, die Vereinigten Staaten wollen weiterhin neutral bleiben. Sowohl die Alliierten als auch die Deutschen hatten das Gegenteil erwartet. Diese Weigerung ließ Admiral Hall keine andere Wahl. Inzwischen hatten sie das Telegramm vollständig entschlüsselt. Hall hatte eine Möglichkeit gefunden, die Deutschen im Glauben zu lassen, ihre Verschlüsselung sei sicher. Ihm war klar, dass von Bernstorff, der deutsche Botschafter in Washington, die Nachricht an von Eckhardt, den deutschen Botschafter in Mexiko, weitergeleitet hatte. Dieser wiederum leitete ein leicht verändertes, jedoch unverschlüsseltes Telegramm an den mexikanischen Präsidenten weiter. Wenn Hall sich die mexikanische Version beschaffen könnte, konnte man dieses Telegramm in den Zeitungen veröffentlichen. Die Deutschen würden glauben, es sei der mexikanischen Regierung gestohlen worden. Durch diese Überlegungen ermutigt übergab Hall das Telegramm schließlich an den britischen Außenminister Arthur Balfour und vier Tage später sah der amerikanische Präsident den Beweis, dass Deutschland einen direkten Angriff auf die Vereinigten Staaten forcierte. Das Telegramm wurde der Presse übergeben und das amerikanische Volk war endlich mit den wahren deutschen Absichten konfrontiert. Zimmermann bekannte sich öffentlich als Urheber. Inzwischen leitete Deutschland eine Untersuchung ein, wie die Amerikaner an das Zimmermann-Telegramm gelangt waren. Im Ergebnis fiel man auf Halls Finte herein.

Zu Beginn des Jahres hatte Wilson gesagt, es wäre ein “Verbrechen gegen die Zivilisation”, seine Nation in den Krieg zu führen, doch am 2. April 1917 erklärte er vor dem Kongress:

"Ich stelle fest, dass die in jüngster Zeit von der deutschen kaiserlichen Regierung verfolgte Politik nichts weniger ist als ein Krieg gegen die Regierung und das Volk der Vereinigten Staaten. Der Kongress möge formell den uns aufgezwungenen Kriegszustand akzeptieren."
Die einzigartige Leistung der Kryptanalytiker von Room 40 hatte dort Erfolg gebracht, wo drei Jahre angestrengter Diplomatie gescheitert waren. Barbara Tuchmann, eine amerikanischen Historikern, schloss ihr Buch "Die Zimmermann-Depeche" mit folgenden Gedanken ab:

"Wäre das Telegramm nicht abgefangen oder nicht veröffentlicht worden, dann hätten die Deutschen mit Sicherheit etwas unternommen, die Vereinigten Staaten schließlich doch zum Eintritt in den Krieg zu veranlassen. Aber der Krieg dauerte schon sehr lange, und hätten die Vereinigten Staaten noch viel länger gezögert, dann wären die Alliierten unter Umständen doch gezwungen gewesen zu verhandeln... Das Zimmermann-Telegramm als solches war nur ein Pflasterstein auf der langen Straße der Geschichte, aber mit einem Steinwurf kann man einen Goliath töten, und dieser Stein hat die amerikanische Illusion sterben lassen, die Vereinigten Staaten könnten unabhängig von allen anderen Nationen ihren eigenen Weg gehen. Nach den Maßstäben der Weltgeschichte war es das unbedeutende Komplott eines deutschen Ministers. Im Leben des amerikanischen Volkes war es der Verlust der Unschuld."

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