Alan Turing in Bletchley Park


Im Jahre 1939 wurde Alan Turing von der "Government Code and Cypher School" aufgefordert als Kryptanalytiker in Bletchley Park zu arbeiten und so fing er am 4. September 1939 zu Beginn des Zweiten Weltkriegs mit seiner neuen Arbeit an. Er arbeitete dort in den Baracken an der routinemäßigen Entschlüsselung und machte sich mit anderen Kryptanalytikern Gedanken über die Klärung anstehender Fragen. Eine der wichtigsten Fragen war: was wäre, wenn die Deutschen den Spruchschlüssel nur noch einmal und nicht wie bisher zweimal senden würden.

Die Anfangserfolge in Bletchley beruhten auf Rejewskis Arbeit, die sich der Wiederholung des Spruchschlüssels bediente. Man vermutete, wenn die Deutschen die Entschlüsselung bemerken, würden sie das Schlüsselaustauschprotokoll ändern und alle bisherigen Entschlüsselungserfolge wären auf Anhieb wirkungslos. Turings Aufgabe bestand nun darin, eine völlig neue Angriffslinie zur Entschlüsselung der Enigma zu finden.

Er setzte sich zuerst einmal mit den schon entschlüsselten Funksprüchen auseinander und fand heraus, dass diese eine strenge Ordnung aufwiesen. Nach einiger Zeit konnte bei alten Nachrichten den Inhalt erkennen. Die Voraussetzung dafür war, dass er den Ursprung der Nachricht und die Sendezeitkannte. So fand er heraus, dass die Deutschen kurz nach sechs Uhr einen verschlüsselten Wetterbericht sendeten und dieser fast sicher das Wort "Wetter" enthielt. Durch die strengen Vorschriften bei der Nachrichtenübermittlung konnte er auch die Position des Wortes "Wetter" fast richtig bestimmen. Diesen Anhaltspunkt, bestehend aus Klar- und Geheimtext, nannte man Crib.

Turing war sich sicher, dass man die Enigma mit Hilfe solcher Cribs entschlüsseln konnte. Er nahm an, dass eine bestimmte Buchstabenfolge das Wort Wetter bedeutete. Als Beispiel nehmen wir an, dass ETJWPX das Wort "wetter" bedeutet. Nun musste man WETTER in die Enigma eintippen und den daraus entstehenden Geheimtext lesen, stimmte dieser nicht mit der Buchstabenfolge ETJWPX überein, musste man nun die Einstellung der Enigma ändern, bis der richtige Geheimtext zu lesen ist. Das Problem war allerdings, dass es mehrere Milliarden mögliche Einstellungen der Enigma gab, wodurch das Finden der richtigen Konfiguration nahezu unmöglich war. Turing trennte nun das Problem auf die Walzenkonfiguration auf, ohne die Berücksichtigung der Steckerverbindungen. Nun brauchten nur noch 1054560 mögliche Walzenkonfigurationen getestet werden. Und bei der richtigen Walzenkonfiguration konnte man die Steckerverbindungen erschließen.

Turing konzentriert sich zunächst vorrangig auf die innere Schleife der Enigma, ähnlich wie Rejewski. Das Problem war jedoch, dass nur die Verbindung von Klar- und Geheimtext einen Crib ergab, dieser aber rein hypothetisch war und man nicht sagen konnte ob er richtig war. Nur unter der Annahme, dass der Crib richtig war, konnte er zu einer Schleife verbunden werden.


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