Die Entwicklung der Turing-Bombe


Durch die Anordnung von drei Enigmas mit je 3 Walzen konnte sich jede Enigma mit einem Element der Schleife beschäftigen. Dadurch konnte Turing eine Abkürzung im nächsten Schritt schaffen. Aber nun mussten die Einstellungen an allen drei Maschinen geändert werden. Der nächste Schritt war die Verdrahtung der Ausgabe der einen Maschine mit der Eingabe der nächsten. Dies bildete einen Stromkreis, der bei richtiger Konfiguration eine Lampe zum Leuchten brachte. Durch diesen Stromkreis wurde die Wirkung des Steckerbretts komplett aufgehoben, wodurch eine Erleichterung um 100 Millionen mal erreicht wurde. Nun brauchte man nur noch alle 17576 Walzenpositionen prüfen und bei einer Änderung der Walzenposition pro Sekunde, hatte man nach fünf Stunden alle Positionen durchlaufen. Hatte man nun die richtige Walzenkonfiguration, konnte man als abschließenden Schritt die noch offenen Steckerverbindungen erschließen, indem man den Geheimtext eingab und den entstandenen Klartext untersuchte und dort Buchstabenvertauschungen ermittelte.

Diese gekoppelten Maschinen und die herausgefundenen Cribs ergaben eine erstaunliche kryptanalyische Leistung, wobei Turing die Überlegungen zur Turing-Maschine halfen. Man setzte das Konzept Turings in die Praxis um und taufte die Geräte "bombes" (nach Rejewskis bombas). Jede Bombe bestand dabei aus 12 Gruppen elektrisch gekoppelter Enigma-Walzen, wodurch längere Schleifen möglich waren.

Anfang 1940 wurde der Auftrag zum Bau der Bombe erteilt. Der erste Prototyp der Bombe, den man "Victory" taufte, kam am 14. Mai 1940 in Bletchley an. Nach einigen Tests stellte sich heraus, das die Bombe wesentlich langsamer war als geplant. Deshalb wurden Verbesserungen erarbeitet und diese zum Bau nachgereicht. Am 8. August 1940 wurde die neue Bombe geliefert, diese erfüllte vollends die Erwartungen der Kryptanalytiker, denn unter optimalen Bedingungen konnte sie innerhalb von einer Stunde den Tagesschlüssel erarbeiten. Dies wurde durch die Ermittlung der Walzenstellung erreicht. Die Alliierten sahen sich auch dem Ernstfall gegenüber, den man schon seit einiger Zeit erwartete. Denn die Deutschen änderten am 10. Mai 1940 ihr Schlüsselaustauschprotokoll. Man sendete nun den Spruchschlüssel nur noch einmal. Dadurch schrumpfte die Zahl der Entschlüsselungen drastisch, aber die Einführung der Bombe brachte den Kryptanalytikern wieder den Erfolg bei den Entschlüsselungen. Nach weiteren 1 ½ Jahren waren weitere 15 Bomben in Bletchley in Betrieb. Aber man muss sich immer noch vor Augen führen, dass die Entschlüsselung mit Hilfe der Bomben auf Cribs aufbaute, die weiterhin rein hypothetisch waren.

Hatte man einen richtigen Crib, kannte aber seine genaue Stelle nicht, dann nutzte man die Eigenschaft der Enigma, die keinen Buchstaben auf sich selbst abbildete. Daraus konnte man die wahrscheinlich richtige Position erschließen. Die Arbeit von Bletchley war natürlich streng geheim und nur ranghöchste Militärs und ausgewählte Mitglieder des Kriegskabinetts erhielten Informationen über Bletchley. Bei Neueinstellungen behalf man sich, indem man zum Beispiel ein Kreuzworträtsel in der Zeitung veröffentlichte und dieses als Wettbewerb laufen ließ. Wer es innerhalb von 12 Minuten lösen konnte, kam in die engere Auswahl.


| Index | Anfänge | Alan Turing | Bletchley Park | Turing-Bombe | Ergebnisse | Aufklärung | Zusammenfassung |
| Hauptseite | Autor: Alexander Jahn - Informatik 2000 |