Hans-Thilo Schmidt und Frankreich


Hans-Thilo Schmidt, Sohn eines angesehenen Professors und einer Adligen, schlug eine vielversprechende Laufbahn beim deutschen Militär ein. Jedoch wurde er nach dem Ende des Ersten Welkrieges und infolge der Bestimmungen des Versailler Vertrages entlassen. Nach einigen Jahren als erfolgreicher Unternehmer schlug auch diese Karriere fehl, wie viele zur Zeiten der Weltwirtschaftskrise. Ganz im Gegenteil zu seinem Bruder, der nach wie vor beim Militär tätig war, verarmte Hans-Thilo Schmidt. Niedergeschlagenheit und Ärger beherrschten ihn, zudem Neid und Eifersucht. Frustriert wandte er sich an seinen in Berlin lebenden Bruder - bekam dort auch wieder eine Anstellung beim Militär. Jedoch verhalf ihm diese nicht zum erhofften Ansehen und Wohlstand.

So knüpfte er Kontakte zu französischen Spionen, um geheime Unterlagen über die Enigma zu verkaufen. Man traf sich mehrmals in abgelegenen Städten in Belgien und in den Alpen, und so erhielten die Franzosen für 30000 Reichsmark eine Gebrauchsanweisung und die Schlüsselanleitung der Enigma, später auch komplette Sätze von Codebüchern. Obwohl es möglich war, mit diesen Unterlagen Rückschlüsse auf die innere Verdrahtung der Enigma zu schließen, konnten die Franzosen diese Informationen nicht verwehrten. Kein Wunder, denn auch in Frankreich hatten sich die politischen Strukturen nach dem Krieg verändert. Geblendet vom Ruhm des Sieges und der errungenen Vorherrschaft in Europa gemeinsam mit seinen Bündnispartnern, wurden ehemalige Eliteabteilungen für Dechiffrierung abgeschafft beziehungsweise teilweise aufgelöst. Zudem wurden andere fähige Mitarbeiter wie Mathematiker und Ingenieure nicht mehr wie in Vorkriegsjahren gefördert. Auch in der Führungsschicht wechselten die Posten. Kurz gesagt - in andere Bereiche, wie den der Innenpolitik zum Beispiel, flossen die Gelder. Nicht einmal den Nachbau einer Enigma hielt man für nötig, die Komplexität des Gerätes schien zu groß, das Herausfinden eines der vielen Schlüssel gar unmöglich.

Die scheinbar wertlosen Unterlagen, die von Schmidt erworben wurden, erhielt daraufhin ein anderer Partner Frankreichs - Polen, die Interesse an allem zeigten, was die Enigma betraf.


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Hauptseite Proseminar | Autor: Maik Rosenow - Informatik 2000