Um die Bedienung zu verstehen, muss man wissen, dass es für die Enigma
sogenannte allgemeine und spezifische Einstellungen
gab, die den Schlüssel betrafen.
Der Tagesschlüssel war eine allgemeine Einstellung. Dieser war im
Codebuch vorgeschrieben. Ein Tagesschlüssel war immer für 24 Stunden
gültig (in den letzten Kriegsjahren wurde er alle 8 Stunden gewechselt)
und in einem Codebuch standen in der Regel für einen Monat alle Schlüssel
drin.
Der Spruchschlüssel war eine individuelle Einstellung und wurde
vom Funker für jeden Spruch neu gewählt. Er bestand aus 3 ausgewählten
Buchstaben, die die Ausgangsstellung der Walzen vorgaben. So konnte trotz einheitlichem
Tagesschlüssel jeder Spruch mit einer anderen Einstellung codiert werden.
Dabei ging der Funker wie folgt vor:
Die Walzen wurden anhand des Codebuches ausgewählt, die Ringe eingesetzt,
und dann auf die Achse in richtiger Reihenfolge aufgesteckt. Auf dem Steckfeld
wurden die jeweiligen Buchstaben vertauscht.
Dann musste sich der Funker eine beliebigen Spruchschlüssel ausdenken und
einstellen. Da man aber die Ausgangsstellung auch beim dechiffrieren benötigt,
diese aber nicht allgemein festgelegt war, musste sie mit übertragen werden.
Dazu ein Beispiel:
Die zu verschlüsselnde Nachricht ist "TEST". Der Funker dachte
sich nun als Spruchschlüssel IFX aus. Da die Nachricht ohne den Spruchschlüssel
unbrauchbar ist, wurde dieser zwei mal hintereinander übertragen, falls
durch Rauschen oder andere Umstände etwas verloren gehen sollte. Also wurde
die Enigma in die Ausgangsstellung (so wie sie der Tagesschlüssel vorgab)
gebracht und dann IFXIFX eingetippt. was z.B. RAGXIP ergab. Die Enigma wurde
dann auf den Spruchschlüssel eingestellt und die eigentliche Nachricht
"TEST"verschlüsselt, wobei man LIRQ erhielt.
So wäre in diesem Fall der Spruch: "RAGXIPLIRQ".
Zur Dechiffrierung benötigte man nun logischerweise den Funkspruch, eine Enigma, ein Codebuch und das Wissen damit umzugehen. Das Vorgehen war praktisch das Gleiche: zuerst wieder Walzen und Steckbrett nach Tagesschlüssel einstellen. Dann war der Spruchschlüssel zu ermitteln, indem man die ersten sechs Buchstaben des Codes bei Tagesschlüssel-Stellung eintippt. Für das obige Beispiel müsste, wenn alles gut geklappt hat, auch wieder IFXIFX herauskommen. Die Walzen mussten dann in die Stellung IFX gebracht werden und der Rest des Codes konnte entschlüsselt werden.
Man erkennt also deutlich: Verschlüsselung und Entschlüsselung sind spiegelverkehrte Prozesse.
Weiter zu Sicherheitsbetrachtungen.