Einsatz beim Militär


Der Gedanke, diese Art der "Verschlüsselung" weiter zu verfolgen und eine hochsichere und flexible Nachrichtenübertragung zu gewährleisten, wurde von Philip Johnston verfolgt. Er war Sohn eines Missionars und war in den Reservaten der Navajo-Indianer aufgewachsen, was ihm eine tiefe Kenntnis der Sprache und Kultur dieses Stammes einbrachte. Ein Zeugnis hierfür ist u.a. die Tatsache, dass er schon als 9-jähriger als Dolmetscher zwischen dem damaligen amerikanischen Präsidenten und Navajo-Indianern fungierte; eine unumstritten weit über Geringfügigkeit hinausgehende Sprachkenntnis!

Sein Ansatz war die Nutzung der Navajo-Sprache für den Funkverkehr. Da diese der Sprachfamilie Na Dene zugehörige Sprache nahezu keinerlei Ähnlichkeiten zu asiatischen und europäischen Sprachen aufwies, bot sich der Einsatz für militärische Zwecke an. Er überzeugte einen Marine-Offizier, ein Pilotprojekt in diese Richtung zu starten. (schriftliches Gesuch Johnstons).

Rekrutierungsschwierigkeiten bei den Navajos gab es nicht, da ihr Stammesoberhaupt den Kriegseintritt Amerikas befürwortete und somit den Weg für den Einsatz der Sprache als unknackbaren Code freimachte. Der unschlagbare Vorteil lag klar auf der Hand: da sich die jeweiligen Funker in ihrer Muttersprache verständigten, konnte die Nachricht nahezu ohne Zeitverlust übermittelt werden, da sie im gleichen Moment gelesen und übersetzt wurde. Auch war es möglich, ein und denselben Sachverhalt in verschiedenen sprachlichen Ausprägungen zu übermitteln ohne den Inhalt zu verändern. Ebenso war das Verfahren unanfälliger hinsichtlich Störungen bei der Funkübertragung. Ein nicht verstandenes Wort führte nicht zwangsläufig dazu, dass die gesamte Botschaft unbrauchbar wurde. Ein einfaches Rückfragen bot außerdem große Flexibilität.

Der Einsatz der Sprache eines Naturvolkes barg natürlich auch Probleme in sich. Die in Befehlen und Lageberichten häufig auftretenden Militärbezeichungen (Dienstgrade, Flugzeug- und Schiffsbezeichnungen) oder schlicht Ländernamen waren in der Sprache der Navajo nicht vorhanden.

Zur Abhilfe wurde das sog. "Code Talkers Dictionary" entworfen, dass 274 Bezeichnungen enthielt, die durch eine englische Umschreibung (z.B. Tiernamen) ersetzt wurden.

Code Talkers Dictionary
(vollständige Liste hier)

Diese Umschreibungen konnten nun in Navajo übersetzt werden. Beim Entschlüssen musste nur darauf geachtet werden, dass den entsprechenden Begriffen ihr englisches Pendant zugewiesen wurde.

Leider bot dieses Verfahren noch nicht ausreichend Abhilfe: bei Personen- oder Städtenamen war es unmöglich, alle möglichen Variationen durch Synonyme abzudecken. Hierzu wurde das Dictionary um das Alphabet erweitert, wobei jedem Buchstaben eindeutig wieder ein Naturbegriff zugeordnet wurde. So konnte jedes unbekannte Wort "buchstabiert" werden. (Alphabet (u.a.))
Um eine Häufigkeitsanalyse zu umgehen, gab es für häufig auftretende Buchstaben bis zu drei verschiedene Naturbegriffe, die von den Code-Talkern willkürlich benutzt wurden.

Auf folgendem Foto ist der 2. Ausbildungsdurchgang der Navajo-Code-Talker zu sehen (385. Platoon, 1943).

385. Platoon, 1943

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Hauptseite Proseminar | Autor: Matthias Steinbrecher - Informatik 2000